Was Sie mit der Faszienrolle nicht erreichen können!

In den letzten Jahren haben sich Hilfsmittel zur Regeneration und Verletzungsprophylaxe im Sport und Fitnessbereich vermehrt durchgesetzt. Man spricht im Allgemeinen vom Foamrolling. Das wohl bekannteste Produkt auf dem Markt ist die Faszienrolle. Es handelt sich hierbei meistens um eine Schaumstoffrolle oder einen Ball mit unterschiedlichen Härtegraden.

Diese Geräte sollen dabei helfen Faszien von Verklebungen zu lösen, um den Stoffwechsel im Gewebe zu verbessern und so die Regeneration zu beschleunigen und Verletzungen vorzubeugen oder einfach nur um alte schmerzhafte „Spannungen“ zu lösen.

Mittlerweile ist das Hilfsmittel auch bei schmerzgeplagten Menschen angekommen die hoffen dadurch ihre Schmerzen in den Griff zu bekommen. Häufig rollt man dabei mit immer stärkerem Druck über die schmerzhaften Stellen hinweg und hofft darauf, dass sich dabei „Spannungen“ lösen und eine Verbesserung von z.B. Beweglichkeit und Schmerz eintritt.

Die Auswahl an Faszienrollen und Bällen auf dem Markt ist enorm. Einige Menschen besitzen mittlerweile solch ein Produkt ohne genau zu wissen, wann und wie sie es richtig einzusetzen haben. So wissen viele nicht in welchen Situationen es helfen kann und wann man nur Schaden damit anrichtet.
Was sind eigentlich Faszien ?

Faszien sind ein Synonym für Bindegewebe. Hierzu gehören Bänder, Sehnen, Kapseln, sowie andere hüllenähnliche Strukturen, deren Funktion es ist, alles im Körper miteinander zu verbinden. Sie umhüllen Muskeln und Organe. Sie stützen und schützen diese Strukturen. Sie geben ihnen Form und Halt. In diesem Fasziennetzwerk verlaufen auch wichtige Strukturen wie Blutgefäße, Nervenbahnen und Lymphgefäße. Ist eine Faszienspannung vorhanden, kann jede der genannten Strukturen eine Reaktion darauf zeigen. So kann es beispielsweise sein, dass ein Körperteil sich immer kühl anfühlt, weil eine Faszienspannung ein Blutgefäß irritiert. Ebenso könnte es sein, dass Ihnen manchmal die Hand oder ein Finger einschläft oder kribbelt weil eine derartige Spannung einen wichtigen Nerv irritiert. Es kann aber auch sein, dass eine alte Verletzung nicht richtig abschwillt, weil eine Spannung den Lymphabfluss stört und so eine Stauung (Schwellung) verursacht. Man sieht also wie stark der Einfluss dieses Fasziennetzwerkes auf den Körper ist. Das ist aber nicht alles. Weiterhin dient das Fasziensystem auch als Informations- und Kommunikationssystem mit dem Gehirn. Überall in den Faszien befinden sich kleine Sensoren (Propriozeptoren), die ständig Informationen an unser Gehirn übermitteln: z.B. wie schnell sich ein Gelenk bewegt, welche Position gerade ein Körperteil im Raum einnimmt oder welche Kraft gerade aufgebracht werden muss, damit wir den Arm überhaupt heben können. Ohne diese Informationen aus den Faszien könnte unser Gehirn garnicht die richtige Antwort schicken, wie z.B. die optimale Anspannung der Muskulatur, damit wir den Arm überhaupt so heben können wie wir es auch wollen. Wenn wir nun eine erhöhte fasziale Spannung haben, kann das unseren Bewegungsablauf stören und behindern. So kann es sein, dass wir bestimmte Bewegungen nicht mehr sauber und ökonomisch ausführen können. Bleibt dieses unökonomische Bewegungsmuster bestehen, kann das zu Überlastungen und Reizungen anderer Strukturen führen (z.B. an Sehnenansätzen) und im Extremfall in einer Verletzung wie eine „Zerrung“ oder einen Muskelfaserriss resultieren.

Aber was zählt nun alles zu einer faszialen Spannung?

Muskeln und Faszien sind eng verbundene Elemente eines Systems. So ist all das, was wir im Volksmund als Verspannung, Muskelkater, Überbelastung oder Zerrung nennen auch eine fasziale Spannung .
Was passiert beim Foamrolling eigentlich?

Mittlerweile kann die Wissenschaft erklären, wieso sich das Gewebe nach einer Faszienbehandlung so erstaunlich schnell entspannt anfühlt. Man kann sich eine Faszie wie einen Schwamm vorstellen der sich mit Flüssigkeit vollsaugen kann.

Sind Faszien mit Flüssigkeit getränkt, können diese sich gut bewegen, agieren und reagieren. Sie sind elastisch und geschmeidig. Bei einer faszialen Verletzung also z.B. einer Verspannung oder Verhärtung ist das Gewebe wie „verklebt“. Die Faszien haben sowohl ein Flüssigkeits- als auch ein Sauerstoffdefizit und verlieren an Elastizität, was wir als Steifheit und Schmerzen empfinden.

Beim erstmaligen Auspressen der Faszien (Ausrollen) werden Stoffwecheselendprodukte und Lymphe abtransportiert. Anschließend nimmt das Gewebe wieder neue wichtige Substanzen auf. Der Stoffwechsel der Faszie wird innerhalb von kürzester Zeit angeregt und es setzt recht schnell eine Verbesserung ein. Das kann man daran sehen, dass die Beweglichkeit, die zuvor noch eingeschränkt war, sofort besser wird und das Gefühl der Steifheit, der Verhärtung oder der Verspannung sowie der Schmerz gelindert sind oder ganz verschwindet.

Man kann damit auch erreichen, dass wieder die volle Kraft im betroffenen Bereich aufzubringen ist.
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Wann macht nun Foamrolling Sinn und wann nicht?

Mit herkömmlichen Faszienrollen lassen sich eindeutig größere Spannungsbereiche sehr gut behandeln. Z.B. die Oberschenkelvorderseite. So macht es durchaus Sinn nach dem Training größere Muskelpartien behutsam auszurollen um den Muskeltonus etwas zu senken und den Stoffwechsel anzuregen, sowie das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.

Ein häufiges Problem ist es jedoch, dass es regelmässig zu deutlich schmaleren und kleineren faszialen Spannungen im Gewebe kommt, bei denen man sich mit einer Rolle oder einem Ball keine Linderung verschaffen kann. Man rollt einfach darüber hinweg. Das ganze ist ziemlich schmerzhaft und bringt keinen Erfolg.

Oft landet dann die Faszienrolle bei Menschen die unter chronischen Schmerzen leiden auf dem Schrank und dient nur noch als Staubfänger. Momentan lassen sich solche schmalen und länglichen Spannungsverläufe (auch Triggerband genannt) nur mit speziellen physiotherapeutischen Behandlungstechniken behandeln. Dies ist einer der Gründe weshalb viele Menschen die Selbstbehandlung aufgeben und letztenendes beim Therapeuten landen. Achten sie also immer genau darauf, wie groß der schmerzhafte Bereich ist, wie weit er sich erstreckt und wählen sie dementsprechend ihr Hilfsmittel aus. Wenn sie das Gefühl haben, Sie können ihr Problem mit der Rolle nicht erreichen, verwenden Sie einen kleineren Gegenstand wie einen Golfball oder einen Flummi. Erschrecken sie aber nicht, wenn auf einmal durch den Druck mit dem Golfball der Schmerz stärker und deutlicher zu spüren ist. Das liegt höchstwahrscheinlich daran, dass sie jetzt ihr Problem auf den Punkt genau getroffen haben. Freuen sie sich lieber, dass sie jetzt ihrem Problem schneller ein Ende bereiten können.

Behandeln sie diese Stelle so wie ich es in meinen Videos zeige und überprüfen sie selbst ob es Ihnen hilft (weniger Schmerzen, bessere Beweglichkeit, mehr Kraft).

Wenn Sie das Gefühl haben sollten, trotz alledem nicht richtig an diese Stelle heranzukommen, so suchen Sie bitte einen Therapeuten auf, der etwas von faszialer Behandlung versteht und lassen Sie sich von ihm helfen.